Hochdruckgebiete in der Atmosphäre, die Verlagerung von Wassermassen durch Ebbe und Flut, aber auch das Abschmelzen der Eisschilde an den Polen haben Auswirkungen auf die Erdrotation. Nicht nur für die Erforschung des Klimawandels, sondern auch für funktionierende Navigationsgeräte sind genaue Messungen der Erdrotation unerlässlich. Verbesserte Voraussetzungen dafür will die Forschungsgruppe „RING: Rotationsbewegungen in der Physik, Geophysik und Geodäsie“ schaffen. Die DFG fördert das Vorhaben mit insgesamt rund fünf Millionen Euro, davon gehen rund eine Million Euro an die Universität Bonn.
„Rotationsbewegungen der Erdoberfläche bieten einen neuen Zugang, um das System Erde zu untersuchen und besser zu verstehen“, sagt Prof. Simon Stellmer der Arbeitsgruppe Quantenmetrologie an der Universität Bonn. „Hierzu entwickeln wir transportable Laser-Interferometer, die an schwer zugänglichen Orten wie etwa an Vulkanen oder auf dem Meeresboden eingesetzt werden können.“ Diese sind vor allem für die Seismologie relevant. Die weiteren Partner in diesem Bereich sind die LMU München, die Helmut-Schmidt-Universität Hamburg, die Universitäten Hamburg und das Karlsruher Institut für Technologie KIT. Einige von diesen bringen umfangreiche Expertise aus der Technologie für Gravitationswellendetektoren in das Konsortium ein.
Neben den kleinen transportablen Sensoren werden auch große Ringlaser mit einer Fläche von 100 Quadratmetern entwickelt, um allerkleinste Variationen in der Erdrotation erfassen zu können. "Wir entwickeln neue Komponenten und Methoden für hochstabile Ringlaser. Diese werden bei uns im Labor getestet, und wenn sie funktionieren, bauen wir sie in den großen unterirdischen geodätischen Observatorien in Wettzell und Fürstenfeldbruck ein.", erklärt Simon Stellmer. Die anderen Partner in diesem Bereich der Geodäsie kommen von der TU München, der TU Berlin, der Uni Hannover, dem Bundesamt für Geodäsie und Kartographie, sowie dem Helmholtz Zentrum für Geoforschung GFZ.
Das Sprecherteam besteht aus Heiner Igel (LMU), Daniela Thaller (BKG) und Simon Stellmer.
In der aktuellen Runde hat die DFG noch 13 weitere Forschungsgruppen bewilligt, davon zwei weitere mit Beteiligung der Uni Bonn: eine zur Untersuchung von Gottesbildern im Alten Israel zu vorchristlicher Zeit, und eine zur Entstehung neuer Abhängigkeiten im Global Süden durch chinesische Technologie-Unternehmen.